Wertstrom-Prozesslandkarte

Was ist das?

Das Wertstrommanagement ist ein Instrument des Lean Managements. Es wird bei der Einführung und Optimierung ganzheitlicher Produktions- und Unternehmenssysteme eingesetzt. Es ermöglicht, wertschöpfende und nicht wertschöpfende Aktivitäten und Ereignisse des Auftragsdurchlaufs im administrativen und produktiven Bereich von Unternehmen ganzheitlich darzustellen. Die Darstellungen beinhalten alle Material-, Informations- und Prozessflüsse – vom Rohmaterial-Eingang bis zur Lieferung an den Kunden.

Wer macht das?

Zur Durchführung des Wertstrommanagements sollte ein interdisziplinäres Verbesserungsteam gebildet werden, bestehend aus Mitarbeitenden der betroffenen Bereiche und einer verantwortlichen Teamleitung.

Was soll erreicht werden?

Ziel des Wertstromdesigns ist, anhand einer transparenten Darstellung des Wertstroms mit standardisierten Elementen den Handlungsbedarf zu ermitteln, um die Abläufe optimal zu gestalten. Die so optimierte Prozesslandschaft bietet zugleich einen geeigneten Orientierungsrahmen für den betrieblichen Digitalisierungsprozess. Das umfasst das Identifizieren, Visualisieren und Optimieren von

  • Prozessschritten,
  • Schnittstellen,
  • Prozess-, Warte- und Liegezeiten,
  • Durchlaufzeiten,
  • Beständen,
  • Steuerungsaufwand und
  • Material- und Informationsflüssen.

Im Fokus des Wertstrommanagements stehen die Eliminierung von Verschwendung und die Durchlaufzeitverkürzung sowie die Verbesserung der internen und externen Kunden-Lieferanten-Beziehungen. Durch einheitliche Prozessbeschreibung und Visualisierung wird der Zusammenhang der einzelnen Prozesse leicht verständlich. Schnittstellen als potenzielle Schwachstellen im Zusammenspiel der Abteilungen werden sichtbar und transparent. Diese Transparenz wiederum ist die Basis für die Vermeidung von Verschwendung und eine kontinuierliche Verbesserung. Sie erleichtert außerdem die Orientierung am Wunsch interner und externer Kunden. Für Digitalisierungsprojekte ist zu untersuchen und zu diskutieren, welche der erkannten Schwachstellen mit Hilfe der Digitalisierung verbessert werden können und welche Systeme und Werkzeuge dafür geeignet sind.

Wie macht man das?

Das Wertstrommanagement lässt sich in zwei Phasen unterteilen:

  • Die Wertstromanalyse (Erfassung der Ist-Situation) und das daraus abgeleitete
  • Wertstromdesign (Erarbeitung der Soll-Struktur).

Schritt 1: Erfassung der Ist-Situation

  • Zunächst muss das zu betrachtende Produkt beziehungsweise eine zu betrachtende Produktfamilie identifiziert werden. Hierfür müssen Produkte zusammengefasst werden, die eine möglichst große Schnittmenge an gleichen Bearbeitungsschritten auf Maschinen oder bestimmten Arbeitsplätzen haben. Dieser Schritt ist von großer Bedeutung, weil aufgrund der Vielseitigkeit der Prozesse und Produkte eine Pauschalbetrachtung über das gesamte Produktspektrum und über die gesamte Wertschöpfungskette nicht praktikabel ist (zu viele Informationen, Detailbetrachtung schwierig).
  • Ist-Aufnahme erstellen: Mithilfe von Papier und Stift werden vor Ort reale Daten aus der Produktion aufgenommen und mit standardisierten Symbolen eine den tatsächlichen Umständen entsprechende Beschreibung der Produktionsprozesse erstellt. Es entsteht ein Schaubild über die Material- und Informationsflüsse der Produktionsprozesse, mit dem fertigen Produkt am Ende. Die Schaubilder ermöglichen, die Produktionskonstellation und die Informationsflüsse auf einen Blick zu erkennen. Darüber hinaus gewinnt man Erkenntnisse zu Unter- und Überkapazitäten, Liegezeiten und Beständen zwischen den Stationen und Abteilungen. Um ein valides Ergebnis zu erhalten, sind die visuellen Eindrücke mithilfe EDV-basierter Daten zu ergänzen. Während der Analyse besteht die Möglichkeit, Störungen zu identifizieren und hierfür bereits Sofortmaßnahmen umzusetzen.

Schritt 2: Erarbeitung der Soll-Struktur

  • Die „Ist-Map” bildet die Vorlage zur Erstellung einer „Soll-Map”, die im Team gemeinsam entwickelt wird und den idealen Ablauf beschreibt. Alle erkannten Verschwendungen und Schnittstellenprobleme sind darin beseitigt. Insbesondere bei diesem Schritt ist zu überlegen, welche Verbesserungen mit konventionellen oder analogen Verbesserungsmaßnahmen erreicht werden können und an welchen Stellen hierfür der Einsatz von Digitalisierung erforderlich ist und Vorteile bringt.

Schritt 3: Umsetzung vom Ist- zum Soll-Zustand

  • Die Umsetzung sollte schrittweise und konsequent in Workshops erfolgen. Dabei handelt es sich um einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung. Alle betrachteten und eventuell sogar verbesserten Prozessabschnitte sind regelmäßig zu hinterfragen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.