Visionscoaching

Was ist das?

Im Rahmen von betrieblichen Digitalisierungsprozessen ist die Ausrichtung auf einen – aus Sicht der betrieblich Handelnden – attraktiven Sollzustand ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Methode Visionscoaching ist ein probates Mittel, um einen solchen attraktiven Soll-Zustand zu beschreiben, und zwar so, dass sich die Vision nicht einfach aus einer Kritik der Ist-Situation ergibt, sondern im Sinne von Zukunftsmanagement auf der gemeinschaftlichen Erfindung einer wünschenswerten und als realisierbar angesehenen Zukunft beruht. Damit dient die Methode der gemeinsamen Zielfokussierung und Mobilisierung von Veränderungsenergie.

Wer macht das?

Voraussetzung für die Anwendung von Visionscoaching ist der Auftrag der obersten Leitung des Unternehmens beziehungsweise des zu gestaltenden Unternehmensteils (Geschäftsfeld, Standort, usw.), diesen zukunftsprägenden Prozess mit einem definierten Kreis von Führungskräften und – wenn das gewollt ist – Mitarbeitenden als Repräsentanten der betroffenen und beteiligten Bereiche und Personen durchzuführen.

Beteiligte bei der Umsetzung:

  • oberste Leitung des zu gestaltenden Bereichs als Auftraggebende für den Visionsprozess beziehungsweise den Strategieprozess als Teilnehmende oder gegebenenfalls Abnehmende des Ergebnisses
  • neutrales internes oder gegebenenfalls externes Beratungsteam
  • Projektpromotoren beziehungsweise Steuerkreis Digitalisierung als Sparringspartner der Beraterinnen und Berater bzgl. der
    • Ausformulierung des Wunsch-Zustandes und der
    • Einladungsliste für den Workshop

Der Zeitbedarf für das eigentliche Visionscoaching beträgt etwa einen halben Workshop-Tag. Das Visionscoaching ist gleichzeitig sinnvollerweise der mittlere Teil eines Dreischritts „Ist-Situation -> Soll- Zustand -> Schritte vom Ist zum Soll”, der insgesamt etwa 1,5 Tage Workshopzeit erfordert und als Prozess der partizipativen Strategieentwicklung und Projektdefinition bezeichnet werden kann.

Das eigentliche Visionscoaching besteht aus den folgenden sieben Schritten:

1. Zeitreise

Überraschende, rollenspielartige Simulation eines aus Sicht des Unternehmens und seiner relevanten Stakeholder zweifelsfrei erstrebenswerten Zustands in einem zeitlichen Abstand von etwa fünf Jahren. Beispiele dafür sind: Erteilung eines sowohl ehrenvollen als auch lukrativen, zukunftssichernden Auftrags mit direktem Bezug zum erfolgreichen Digitalisierungsprozess; Gewinn eines angesehenen Wirtschaftspreises wie beispielsweise „Ludwig-Erhard-Preis” oder „Fabrik des Jahres” mit ausdrücklichem Bezug zur Rolle als Digitalisierungs-Vorreiter; signifikante, als nachhaltig anzusehende, mit erfolgreicher Umsetzung der Digitalen Agenda verknüpfte Verbesserungen maßgeblicher Performance-Indikatoren in allen Feldern der Balanced Scorecard.

2. Ankommen in der Zukunft

  • Bei großem Teilnehmerkreis möglicher Auftrag an eine von zwei parallelen Arbeitsgruppen.
  • Konkretes „Ausmalen” des mit diesem erfreulichen Zukunftszustand verbundenen Alltags, insbesondere im Hinblick auf die Realisierung der erfolgskritischen Digitalisierungsaktivitäten und deren Unterstützungswirkung im Produktions-Alltag.

3. Rückblick aus der Zukunft

  • Bei Aufteilung in zwei Arbeitsgruppen paralleler Auftrag an Arbeitsgruppe 2.
  • Möglichst konkrete Step-by-Step/Jahr-für-Jahr-Beschreibung der auf dem Weg in diese wünschenswerte Zukunft erforderlichen Schritte unter der doppelten Auflage, dabei
    1. im Rahmen des prinzipiell Möglichen zu bleiben und gleichzeitig
    2. eine Schrittfolge zu kreieren, durch die der Wunsch-Zustand tatsächlich erreicht wurde („Welche Schritte haben funktioniert?”).

4. Wechselseitige Berichte der Arbeitsgruppen

falls parallel gearbeitet wurde

5. Debriefing

Die Teilnehmenden kehren von der Zeitreise zurück und werden aus ihren Zukunftsrollen entlassen, mit kurzer Nachfrage nach Befindlichkeit, besonderen Vorkommnissen und Eindrücken, von denen die „Reisenden” kurz (!) berichten möchten.

6. Konsequenzen für die strategische Ausrichtung und Visions-Aussage

In diesem Schritt werden die Ergebnisse der beiden Arbeitsgruppen-Phasen als Material für eine möglichst konkrete Visionsaussage und für Ergänzungen beziehungsweise Korrekturen der bis dahin getroffenen Strategieaussagen genutzt.

7. Wie weiter?

Dieser Schritt leitet über zum Thema Projekt-/Maßnahmenplanung.

Was soll erreicht werden?

Ziel der Methode ist die Einbeziehung aller relevanten betrieblichen Personen in die Beschreibung eines Soll-Zustands nach der Realisierung der laufenden und der geplanten Digitalisierungsaktivitäten, der den Beteiligten einerseits attraktiv und andererseits realistisch erscheint. Damit wird eine der drei maßgeblichen Quellen von Change-Energie für den betrieblichen Digitalisierungsprozess mobilisiert. Zu diesen Energiequellen zählen außer der hier fokussierten „Attraktivität des Zielbilds” noch die „Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand” und die „Dynamik der konkreten Umsetzung”.

Der Einsatz von Visionscoaching im Digitalisierungsprozess ist insbesondere dann sinnvoll, wenn

  • es noch keine Digitale Agenda beziehungsweise noch kein gemeinsames, handlungsleitendes Zielbild für die einzelnen Digitalisierungsaktivitäten gibt,
  • die Digitalisierungsaktivitäten zu sehr auf die Überwindung akuter Problemlagen fokussiert und zu wenig auf die mittel- und langfristigen Perspektiven des Unternehmens, des Geschäftsbereichs, des Standorts ausgerichtet sind.
  • die Ausrichtung der Digitalisierungsaktivitäten im Führungskreis (und gegebenenfalls darüber hinaus) strittig ist.