Im Rahmen von betrieblichen Digitalisierungsprozessen ist die Ausrichtung auf einen – aus Sicht der betrieblich Handelnden – attraktiven Sollzustand ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Methode Visionscoaching ist ein probates Mittel, um einen solchen attraktiven Soll-Zustand zu beschreiben, und zwar so, dass sich die Vision nicht einfach aus einer Kritik der Ist-Situation ergibt, sondern im Sinne von Zukunftsmanagement auf der gemeinschaftlichen Erfindung einer wünschenswerten und als realisierbar angesehenen Zukunft beruht. Damit dient die Methode der gemeinsamen Zielfokussierung und Mobilisierung von Veränderungsenergie.
Voraussetzung für die Anwendung von Visionscoaching ist der Auftrag der obersten Leitung des Unternehmens beziehungsweise des zu gestaltenden Unternehmensteils (Geschäftsfeld, Standort, usw.), diesen zukunftsprägenden Prozess mit einem definierten Kreis von Führungskräften und – wenn das gewollt ist – Mitarbeitenden als Repräsentanten der betroffenen und beteiligten Bereiche und Personen durchzuführen.
Beteiligte bei der Umsetzung:
Der Zeitbedarf für das eigentliche Visionscoaching beträgt etwa einen halben Workshop-Tag. Das Visionscoaching ist gleichzeitig sinnvollerweise der mittlere Teil eines Dreischritts „Ist-Situation -> Soll- Zustand -> Schritte vom Ist zum Soll”, der insgesamt etwa 1,5 Tage Workshopzeit erfordert und als Prozess der partizipativen Strategieentwicklung und Projektdefinition bezeichnet werden kann.
Das eigentliche Visionscoaching besteht aus den folgenden sieben Schritten:
1. Zeitreise
Überraschende, rollenspielartige Simulation eines aus Sicht des Unternehmens und seiner relevanten Stakeholder zweifelsfrei erstrebenswerten Zustands in einem zeitlichen Abstand von etwa fünf Jahren. Beispiele dafür sind: Erteilung eines sowohl ehrenvollen als auch lukrativen, zukunftssichernden Auftrags mit direktem Bezug zum erfolgreichen Digitalisierungsprozess; Gewinn eines angesehenen Wirtschaftspreises wie beispielsweise „Ludwig-Erhard-Preis” oder „Fabrik des Jahres” mit ausdrücklichem Bezug zur Rolle als Digitalisierungs-Vorreiter; signifikante, als nachhaltig anzusehende, mit erfolgreicher Umsetzung der Digitalen Agenda verknüpfte Verbesserungen maßgeblicher Performance-Indikatoren in allen Feldern der Balanced Scorecard.
2. Ankommen in der Zukunft
3. Rückblick aus der Zukunft
4. Wechselseitige Berichte der Arbeitsgruppen
falls parallel gearbeitet wurde
5. Debriefing
Die Teilnehmenden kehren von der Zeitreise zurück und werden aus ihren Zukunftsrollen entlassen, mit kurzer Nachfrage nach Befindlichkeit, besonderen Vorkommnissen und Eindrücken, von denen die „Reisenden” kurz (!) berichten möchten.
6. Konsequenzen für die strategische Ausrichtung und Visions-Aussage
In diesem Schritt werden die Ergebnisse der beiden Arbeitsgruppen-Phasen als Material für eine möglichst konkrete Visionsaussage und für Ergänzungen beziehungsweise Korrekturen der bis dahin getroffenen Strategieaussagen genutzt.
7. Wie weiter?
Dieser Schritt leitet über zum Thema Projekt-/Maßnahmenplanung.
Ziel der Methode ist die Einbeziehung aller relevanten betrieblichen Personen in die Beschreibung eines Soll-Zustands nach der Realisierung der laufenden und der geplanten Digitalisierungsaktivitäten, der den Beteiligten einerseits attraktiv und andererseits realistisch erscheint. Damit wird eine der drei maßgeblichen Quellen von Change-Energie für den betrieblichen Digitalisierungsprozess mobilisiert. Zu diesen Energiequellen zählen außer der hier fokussierten „Attraktivität des Zielbilds” noch die „Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand” und die „Dynamik der konkreten Umsetzung”.
Der Einsatz von Visionscoaching im Digitalisierungsprozess ist insbesondere dann sinnvoll, wenn