Standortbestimmung im Führungskreis

Was ist das?

Die Standortbestimmung im Führungskreis ist ein erster wichtiger Meilenstein in der Phase Orientierung des APRODI-Vorgehens.

Was soll erreicht werden?

Die Standortbestimmung im Führungskreis dient der Absicherung eines einheitlichen Wissenstandes zum Ist-Zustand geplanter Digitalisierungsmaßnahmen bei allen relevanten betrieblichen Personen, die in das Projekt eingebunden sind, projektrelevante Entscheidungen treffen oder möglicherweise davon betroffen sind. Es geht darum, ein gemeinsames Verständnis darüber zu erarbeiten, welche Stärken und Schwächen des jeweiligen Unternehmens beziehungsweise Unternehmensstandorts es im Hinblick auf den Digitalisierungsprozess und die ständig weiter wachsenden technologischen Möglichkeiten einer Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 gibt sowie welche neuen Nutzungspotenziale und Herausforderungen sich für das Unternehmen beziehungsweise den Standort ergeben.

Zur Standortbestimmung gehört ferner eine Übersicht, welche Digitalisierungsprojekte in den letzten Jahren umgesetzt wurden sowie welche Projekte aktuell laufen und anstehen. Die APRODI-Erfahrungen zeigen nämlich, dass ein solcher gemeinsamer Informationsstand über die Einzelaktivitäten, die aus den verschiedenen Geschäftsbereichen und Fachfunktionen oder auch aus dem Umfeld zum Beispiel vom Konzern, von Schlüsselkunden oder wichtigen Lieferanten initiiert wurden, keineswegs selbstverständlich ist. Dabei handeln alle Beteiligten in aller Regel nach bestem Wissen und Gewissen – es gehört jedoch ein gutes Maß an Weitblick, Wahrnehmung von Zusammenhängen und soziotechnischem Systemverständnis dazu, als Initiator eines solchen Vorhabens die gesamte Digitale Agenda des Unternehmens beziehungsweise des Standorts im Blick zu haben und alle, die es angeht, frühzeitig zu informieren und einzubeziehen.

Schließlich ist im Zuge der Standortbestimmung für jede der in Planung befindlichen digitalen Innovationen festzustellen, ob die Voraussetzungen dafür angesichts der Strukturen und Prozesse überhaupt schon gegeben sind, beziehungsweise welche Risiken das Vorhaben mit sich bringt. Dabei ist zum Beispiel konkret zu klären, wer zu beteiligen ist, welche organisationskulturellen und personalwirtschaftlichen Aspekte mit zu beachten sind, auf welche gegebenen IT-Infrastrukturen aufgesetzt werden muss und welche regulatorischen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Gesetze, Verordnungen, Betriebsvereinbarungen) zu beachten sind.

Achtung:

Die Standortbestimmung ermöglicht nur die Beantwortung der ersten von drei Leitfragen der Orientierungsphase. Ohne ein anschließend gemeinsam entwickeltes und im Führungskreis geteiltes Zielbild nutzt auch die sorgfältigste Standortbestimmung nichts. Erst beide Schritte zusammen geben die nötige Orientierung für eine arbeits- und prozessorientierte Digitalisierung im Unternehmen beziehungsweise am Standort, denn erst dann haben alle Beteiligten eine gemeinsame Antwort auf die Gesamtheit der Orientierungsfragen:

  • Wo stehen wir in Sachen Digitalisierung?
  • Wo wollen wir hin?
  • Was ist das Ziel?

Wer macht das?

Die Standortbestimmung im Führungskreis wird von projektverantwortlichen Mitgliedern des Kern- oder Projektteams in Abstimmung mit allen betrieblichen Gremien geplant, durchgeführt und dokumentiert. Es können auch Unternehmensexterne – im APRODI-Projekt sind es Personen aus den Partnerinstituten – einbezogen sein. Beteiligt sind neben dem obersten Führungskreis Gremienmitglieder, beispielsweise aus Steuerkreis, Kernteam, Führungsteam im zu gestaltenden Bereich und Betriebsrat. Letzterer ist idealerweise mit der ernsthaften Einladung zum Mitgestalten von Unternehmensseite bedacht und versteht sich als Mitgestalter von Digitalisierung und Arbeit 4.0.

In der Orientierungsphase stellen sich dem Führungskreis von Standort oder Unternehmen, dem Betriebsrat und dem Führungsteam im zu gestaltenden Bereich die Fragen „Wo stehen wir?”, „Wo wollen wir hin?” und „Was ist das Ziel?”. Es hat sich bewährt, Antworten nicht im kleinen Kreis oder gar im stillen Kämmerlein zu suchen. Vielmehr sind die Fragen sehr offen mit allen Beteiligten am Standort/im Unternehmen zu erörtern, um dann die Standortbestimmung im Führungskreis auf dieser Grundlage vorzunehmen.

Wie macht man das?

Die Beteiligten treffen sich in großer Runde. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse aus allen vorangegangenen Beobachtungen, Erhebungen und Analysen werden in geeigneter Form vorgestellt und diskutiert, bis alle auf dem gleichen Wissenstand sind. Unter Umständen sind hierzu auch mehrere Treffen erforderlich. Um eine fundierte Standortbestimmung im Führungskreis zu ermöglichen, können auch die unten stehenden Methoden und Verfahren eingesetzt werden, sie müssen jedoch nicht alle genutzt werden. Entscheidend für die Standortbestimmung im Führungskreis ist es, einen möglichst breiten Überblick zu gewinnen, um nichts zu übersehen. In der folgenden Phase der Fokussierung werden die möglichen Handlungsoptionen dann bewusst und gezielt wieder eingegrenzt und priorisiert.

Methoden und Verfahren, die im Zuge der Standortbestimmung neben den bereits beschriebenen zum Einsatz kommen können, sind

  • „soziotechnische Bestandsaufnahme” ,
  • Wissenslandkarte zu Ist-Stand und Entstehungsgeschichte der gewachsenen IT-Landschaft als ein Ergebnis der Bestandsaufnahme,
  • Projektegalerie zu jüngst abgeschlossenen, bereits laufenden und anstehenden Projekten in den Themenbereichen „IT-Infrastruktur, „Digital Innovations” und „Arbeit 4.0” sowie
  • SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) im Hinblick auf die Nutzung der mit Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 technologisch und soziotechnisch gegebenen und für die Zukunft bereits absehbaren neuen Möglichkeiten im Wertschöpfungsprozess beziehungsweise im Wertschöpfungsnetzwerk und
  • eine Wertstrom-Prozesslandkarte – im Idealfall mit Unterstützungsprozessen und für das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk.